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Informatik
ENIAC

Nicht nur die U.S. Navy, sondern auch die U.S. Army hatte riesigen Rechenbedarf. An der Moore School of Electrical Engineering der Universität von Pennsylvania hatte die Army daher größere Personalkapazitäten zusammengezogen: neben MathematikerInnen und PhysikerInnen waren bis zu 200 vorwiegend weibliche "Computer" von speziellen Verbindungsoffizieren an Colleges und Universitäten rekrutiert worden. Sie brachten gute Abschlüsse in Mathematik oder Physik mit. Ihr Arbeitsgerät war meist ein damals sehr erfolgreiches Analogrechnermodell, der Differential Analyzer, der an der Moore School entwickelt worden war. Da die Personalkapazitäten nicht ausreichten, ging das Militär auf einen Vorschlag der an der Moore School tätigen Wissenschaftler John Mauchley und Presper Eckert ein, ein vergleichbares Rechnermodell in einer schnelleren digitalen Form neu zu bauen, nämlich auf der Basis von Vakuumröhren.

Der Gebrauch von Vakuumröhren war technisch seit den 20er Jahren erprobt: in den weit verbreiteten Radios waren einige Röhren eingebaut, in Radar- oder Kommunikationsanlagen befanden sich bereits mehrere hundert. Elektronische Technik auf der Basis von Vakuumröhren arbeitete etwa tausendmal so schnell wie elektromechanische Relais, aber im Vergleich wesentlich unzuverlässiger. Die allererste elektronische Rechnenanlage geht auf John Atanasoff und Cliffort Berry im Jahre 1942 zurück: der sogenannte ABC-Rechner. Es handelte sich jedoch nur um eine kleine Anlage; als der Krieg ausbrach, hatten sie ihre Experimente nicht weiter fortgesetzt. Doch ihre Erfahrungen sollten nicht verloren gehen. Mauchly und Eckert hatten sich intensiv damit auseinandergesetzt und einen Großrechner entworfen, der aus 17.000 Vakuumröhren bestehen sollte und fast 500.000 US$ kostete. Der "Electronical Numerical Integrator And Computer" (ENIAC) entstand in den Jahren 1943-46 und gilt als erste elektronische Großrechenanlage weltweit.

Ihre technische Bedeutung lag vor allem im Beweis der Zuverlässigkeit elektronischer Geräte. Sechs Techniker arbeiteten rund um die Uhr an der Maschine, jede Vakuumröhre wurde wöchentlich geprüft und 2000 Röhren monatlich ausgewechselt. Der Stromverbrauch war ungeheuer. Wie die Mark I arbeitete auch der ENIAC noch mit Dezimalzahlen. Doch was die Rechengeschwindigkeit anbetraf, so konnte ENIAC das in einer Stunde erledigen, wozu Mark I sechs Wochen brauchte. – Tatsächlich war es aber ein schwieriges Unterfangen, ENIAC überhaupt eine Stunde lang am Laufen zu halten! Darüberhinaus war sie nicht wie Mark I darauf eingerichtet, Lochstreifen einzulesen. Das Programmieren dieses Rechners erfolgte durch Stecktafeln; d.h. Hunderte von Kabeln mussten jeweils gesteckt werden, um die gewünschten Verbindungen herzustellen.

Ein neues Programm bedeutete neue Steckarbeiten, – eine Arbeit, die zugleich viel Konzentration und Anstrengung erforderte. Für diese Tätigkeit waren vor allem die "ENIAC-girls" zuständig, so lautete die Bezeichnung einer Gruppe Frauen aus dem Women´s Army Corps, die bereits als Computer vor Ort gearbeitet hatten. Sie mussten alle Konstruktions- und Schaltpläne kennen, um dann die Programme entsprechend den Anforderungen zu stecken. Die ersten Programmiererinnen waren Kay Antonelli, Jean Bartik, Betty Holberton, Marilyn Meltzer, Frances Spence und Ruth Teitelbaum. Viele weitere kamen hinzu und manche leisteten in den Folgejahren bedeutende Beiträge als Mitbegründerinnen der neuen Computerwelt.

Der ENIAC wurde zwar nicht mehr zu Kriegszeiten fertig, aber der Kalte Krieg brachte genügend Aufgaben. 1946 wurde das Monstrum auf dem nahegelegenen Army-Gelände in Aberdeen, Maryland nochmals neu aufgebaut und dort bis 1956 betrieben.