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Frauen
Ada als Ikone der Informationstechnologie

Ikonen entstehen nicht von selbst – sie werden erschaffen. Ada Lovelace ist ein gutes Beispiel dafür.

Im 19. Jahrhundert wurde wissenschaftes Können wie selbstverständlich mit rationalen, logischen und eindeutig als männlich ausgemachten Fähigkeiten gleichgesetzt – ein Vorurteil, dass auch heute noch Barrieren aufbaut. In einer Zeit, in der beinahe unbestritten zwischen weiblichen und männlichen Lebensbereichen unterschieden wurde, setzte sich Ada Lovelace dennoch intensiv mit mathematischen und technischen Fragen auseinander.

Ada Lovelace war nicht nur von großer mathematischer Begabung, die mit außergewöhnlicher Vorstellungskraft einher ging, sie verfolgte ihr Interesse trotz gesellschaftlicher Missbilligung auch relativ offen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Frauen des 19. Jahrhunderts deklarierte sie einige ihrer Erkenntnisse tatsächlich als ihre eigenen. Dieser Widerstand gegen die Konventionen verlieh ihr hundert Jahre nach ihrem Tod die generelle Anerkennung, die ihr damals versagt blieb: Ada Lovelace wird heute "die erste Programmiererin" überhaupt genannt.

Bedeutete die Entwicklung von Berechnungsvorschriften für die Analytical Engine damals eine Leistung, die schwierige mathematische Grundlagen voraussetzte, so kann Ada Lovelace mit Recht als beeindruckende Mathematikerin bezeichnet werden. In der neuerlichen Betonung von ihr als Programmiererin schwingt zugleich eine Botschaft für das heutige Geschlechterverhältnis mit. Den Frauen in der arbeitsteiligen Branche Informationstechnik wird auf diese Weise ihre angeblich historisch gewachsene Rolle in der Hierarchie verdeutlicht: Programmiererinnen sind nämlich nur die Assistentinnen.

Besonders entlarvend für eine weitere Zuweisung symbolischer Geschlechterrollen an Frauen war die Benennung einer vom US-Verteidigungsministerium entwickelten Allzweck-Programmiersprache Ende der 80er Jahre: Vorversionen der Sprache trugen Namen wie Stealman oder Minuteman; der endgültige Name wurde ADA. Hier war im Laufe der Entwicklung anscheinend ein bestimmter Mythos von Weiblichkeit besonders notwendig geworden.

Selbst unter Frauenforscherinnen wird die historische Bedeutung von Ada Lovelace immer wieder hinterfragt, hat sie sich beispielsweise doch gesellschaftlich nicht so profilieren können wie einige andere Wissenschaftlerinnen ihrer Zeit. Interessant zu beobachten ist hierbei, wie schnell kritische Stimmen von der Informatikfachwelt aufgenommen werden.

In der ihr zugeschriebenen Ausnahmeposition vertritt Ada Lovelace all jene Wissenschaftlerinnen, deren Leistungen in einer so deutlich an Männern orientierten Gesellschaft nicht mehr vollständig nachzuvollziehen sind. Dass ihre eigenen Leistungen umstritten bleiben, mag ihre Position als Stellvertreterin nur unterstützen, teilt sie dieses Schicksal zumindest mit unzähligen Frauen in der Geschichte der Technikentwicklung.